Hier dreht sich alles um Fernreisen abseits der Touristenströme. Unterwegs sind wir in einem Off Road fähigen Mercedes 917 Allrad, der zum Wohnmobil aus- und umgebaut wurde. Meine treue Begleiterin Vega, ein spanischer Tierheimhund, ist immer mit dabei. Nach unserer Transafrika Tour, die uns viele Reiseabenteuer und skurrile Geschichten, aber auch an den Rand des Abgrundes brachte, sind wir nun in Asien unterwegs. Von Südostasien aus werden wir versuchen einen Weg nach Hause zu finden …
Hier in Nordwesten Thailands leben sechs verschiedene Bergvölker, genannt Hilltribes, die meist als Flüchtlinge nach Thailand eingewandert sind. Auch die Hmong, die wir schon in Laos erlebt haben. Es wird viel getan, geredet um Opium und veranstaltet mit den Minoritäten, wir als Laien wissen nur, dass wir uns nicht den Reisegruppen anschliessen möchten, um uns die Menschen zum Fotografieren vorführen zu lassen.
So suchen wir mit Detailkarten ein Dorf aus, das weit vom Schuss liegt, zu weit um in einen Tag hin und her zu fahren. So hoffen wir, die Touristenströme zu umgehen. Wir wissen, es wird wohl wieder mal eine harte Off Road Etappe aber als die anfangs noch betonierte Piste derart steil bergauf geht, dass mir der Truck 20 Meter vor dem Gipfel stehen bleibt, das nun wieder ist ganz was neues.
Ich stehe extremer Steillage mit der gezogenen Handbremse und latsche auch noch fest auf die Fussbremse, es sind nur noch wenig Meter bis ich oben bin und ich will die Untersetzung des Trucks nutzen, um das auch zu schaffen. Untersetzung heißt, viel Kraft bei wenig Geschwindigkeit. Bei Allradfahrzeugen nichts ausgefallenes. Um die Untersetzung zu aktivieren, muss ich einen Hebel nach rechts drehen. Allerdings hat der Hebel zwei Stellungen, die erste trennt den Motor komplett vom Antrieb, quasi Leerlauf in allen Gängen, die zweite Stellung aktiviert dann die Untersetzung. Soweit die Theorie, in der Praxis ist mir der Hebel jedoch schon vor Jahren abgebrochen und ich habe ihn mit einem kleinen Plastikteil ersetzt, das bis dahin gute Dienste geleistet hat. Durch die Hitze ist das Plastik etwas mürbe geworden und dreht durch, so bin ich zwar optisch in der zweiten, wirklich aber in der ersten Stellung. Wie immer passiert so was zum schlechtesten Zeitpunkt.
Im zweiten Gang löse ich die Handbremse gebe Gas, der Truck schiesst rückwärts den Berg nach hinten runter, bis ich an den Hebel zur Handbremse komme. Uta hat innerhalb einer Sekunde jegliche Farbe verloren, als ich zu ihr rüber sehe schaut mich ein Geist an, kreidebleich und ohne Fähigkeit etwas über die Lippen zu bringen. Vega dagegen steht im Durchgang, schaut mich vorwurfsvoll an!
Wie erwartet geht es oben dann Offroad weiter, schlechte Piste die in der Regenzeit wohl nicht fahrbar sein dürfte. Wir hoffen nur, nicht umsonst die Strapazen auf uns zu nehmen. Nicht alle Bergvölker sind freundlich.
Am Ende der abenteuerlichen Strasse stehen wir in einem Lisu-Dorf, weil der Truck nicht weiter kommt. Die Lisu kamen vor ca.100 Jahren aus China über Burma nach Thailand. Sie bevorzugen eine Höhe von 1000 m zum Leben und Ackern, organisieren sich in grossen Sippen und sind Ahnenverehrer. Es heisst, dass gern Chinesen sich für den Opiumanbau einheiraten. Tja, da stehen wir nun, aber alle Bedenken sind schnell verflogen und einige Frauen und Kinder in ihren bunten Trachten lachen uns an. Schnell ist das Eis gebrochen, wir besichtigen das Dorf, Vega und der Truck werden begutachtet und ich bespreche mit den Frauen wie wir hier weiter kommen… tja, wohl nur den selben Weg zurück.
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Eine Woche waren wir im Eiltempo nun wieder bei Tom in Mae Sot. Alles schon wie zu Hause, nur diesmal mit der Zeit im Nacken. Der Hundezuwachs Pukpui hat sich genauso schnell an uns gewöhnt, wie Jessie im November. Danke noch mal an Tom! Das nächste Mal besuchst du uns in Deutschland!
Schnurstracks auf in Richtung Chiang Mai, alle schwärmen vom Norden Thailands und es soll doch glatt kühler sein dort in den Bergen, unvorstellbar im Moment!
Wir fahren eine Nebenstrecke über Li und schlagen unser Lager an einem Wat in den Bergen auf. Die Sonne versinkt und es wird uns mulmig, als rund um lautes Knacken zu hören ist und im Mondlicht die Feuer an den Hängen um uns herum tanzen. Wie in ganz Asien brennt es überall während der Trockenzeit, gewollt oder ungewollt.
Es sind 25 Grad kurz vor Mitternacht und wir denken darüber nach, ob wir das Bier nicht mehr so kalt stellen sollten.
In Chiang Mai werden erstmal Pflichten erledigt. Vega muss zum Tierarzt, sie hat ein Hautproblem, weil sie sich in jeder Dreckpfütze zum Abkühlen suhlt. Der Truck braucht vom Customer eine Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung, Einkaufen und beim Erwerb eines kleinen Netbooks spricht uns Kees aus Holland an… ob wir nicht Lust hätten, bei ihm und seiner Frau Els zu nächtigen, sie waren leidenschaftliche Unimogfahrer und sind dann in der Nähe von Chiang Mai hängen geblieben. Vega hat gleich einen neuen Schwarm, Rüde Akki ist auch nicht abgeneigt. Eine ruhige Nacht mit gutem Frühstück, hier einen lieben Gruss an Kees und Els!
Endlich wieder Hot Springs! In den Bergen haben wir morgens 7 Uhr im Truck 17 Grad und das ist für uns tiefster Winter. Die Pong Deod Geyser sind irre heiss und sehen sehr abenteuerlich aus. Wir müssen Vega laut Bescheid geben, dass sie da nicht drin baden soll, dann kommt sie als Zwergpudel wieder raus! Die Anlage ist gut angelegt aber alles etwas ausgestorben, wir geniessen die Stille und das satte Grün.
In Pai kaufen wir Vollkornbrötchen!!! Und trinken Cappuccino so mit Karamellmuster auf der geschäumten Milch, Blick auf eine Moschee mit Bob Marley im Hintergrund. Alles bunt in dieser Stadt und in Sachen Aussteigern klein Sihanoukville.
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Schnurstracks trucken wir nach Mae Sot zu Tom, hören, was es Neues gibt und um einiges zu erledigen, z.B. die nicht funktionierende Klimaanlage entgültig ausbauen. Ein zweiter Hund ist eingezogen und sie – Puk pui – bespielt jetzt Jessie, wie sie es selbst vor drei Monaten mit Vega tat.
Prompt landen wir zwischen Verstärkern und Partyzelt – der Nachbar feiert Hauseinweihung (vielleicht erinnert ihr euch an die Baustelle mit den burmesischen Arbeitern). Wir sind eingeladen und weil wir neugierig sind und es sonst auch nicht auszuhalten wäre mit 100 dB Karaoke, verbringen wir den Abend mit Tanzen, Essen und Hong Thong Trinken rum, Unterhalten ist unmöglich!
Morgens um 6 Uhr werden wir vom Gebetssingsang der Mönche geweckt, das Haus wird gesegnet…angenehme Stimmung, bis Karaoke wieder startet bis abends…die Thais sind einfach verrückt.
Die Nächte hier in West-Thailand, umgeben von Bergen, sind noch erträglich kühl. Wir decken uns also nachts wieder zu und Vega vergeudet keine Energie mit Hecheln vor dem Schlafen. Für den Tag haben wir uns einen kleinen Ventilator zugelegt, der die Haare waagerecht stehen lässt. Er hat den Platz der Klimaanlage eingenommen, da WAECO keine Lösung für uns hier in Thailand anbieten kann. Für die Fenster im Fahrerhaus haben wir uns Fliegengitter zum Einklemmen anfertigen lassen, damit immer eine Luftzirkulation möglich ist für Vega.
Die Friendship Bridge von Mae Sot nach Burma hat nicht viel zu tun, weil die Güter über den „grossen kleinen Grenzverkehr“ exportiert werden. Das alles wird von beiden Seiten geduldet, ist aber absolut illegal. Unmengen an Pflanzenöl, allerhand Getränke an Coke etc. und geheimnisvolle Pakete rutschen über die aus Beton gebauten Schrägen abenteuerlich in die Boote. Zwischendrin waschen sich die Frauen im Fluss, Kinder spielen, Männer schweissen…alles Burmesen, die hier auf thailändischer Seite des Flusses leben.
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