Klare Luft, kühler Wind und Regen lassen uns den Kaffee am ersten Morgen in Nako geniessen. Wie meist lesen wir erst vor Ort, was der Reiseführer so zu sagen hat, zu unserer Strecke ist zu lesen: „…das ist sicherlich eine der gefährlichsten und haarsträubensten Strassen in ganz Indien und sogar eingefleischte Traveller sollen schon ihren Rosenkranz zur Hand genommen haben …“. Bei Regen wollen wir uns das nicht antun und beschließen, den Tag zu verbummeln. Was wir noch nicht wissen, wir haben gar keine Wahl! Die Trucker, die auch hier parken, erzählen, dass die einzige Strasse weiter nach Sumdo seit einem Tag wegen Erdrutsch gesperrt ist. Wir erkunden das Ganze und als erstes beobachten wir ArbeiterInnen, die mit einfachen Werkzeugen und Händen die Strasse von Felsbrocken räumen…und glauben deshalb gern, dass es durchaus einige Tage dauern kann! Diese Strecke ist bekannt für ständigen Steinschlag und das ist auch nicht verwunderlich, wenn man diesen bröseligen, gigantischen und steilen Hang über der Strasse sieht.
Wir sehen uns das gemütliche Nako an und Vega fühlt sich sichtlich wohl: kein Auto fahren, keine Hitze, lange Spaziergänge. Der Regen hört nicht auf. Trotzdem geniessen wir den „Urlaub“ hier. Als die Wolkendecke, in der wir manchmal mittendrin standen, endlich aufreisst, kommt ein Truck nach dem anderen auf den Platz gefahren…die Richtung aus der wir kamen, war auch kurz gesperrt wegen Erdrutsch. Wir hatten Glück! Auch wenn wir hier in Nako fest sitzen, ist es ein guter Platz. Unsere Energieprobleme lösen sich mit der intensiven Sonne auf den 3645 Metern und Solar auf dem Dach. Der kleine „dhaba“ (Imbiss) an dem Platz macht gut Umsätze mit uns und wir lernen die indo-tibetische Küche kennen.
Im Ort sammeln sich auch immer mehr westliche Touristen mit Fahrrad, Motorrad oder Pick Up, weil sie nicht weiter fahren können. Wir entdecken lecker Litschi-Saft, Wein aus Kinnaur Äpfeln (eine Flasche reicht aberJ), eine eiskalte und gesegnete Wasserquelle am kleinen See in der Dorfmitte. Der Anblick des alten Teiles von Nako erinnert uns herzerweichend an Tibet und von der Wirtsfrau mit dem dicken schwarzen Zopf bis zum Hintern bekommen wir ein Poster vom Dalai Lama geschenkt. Hier sehen wir sein Antlitz oft, in Tibet selbst ist sein Bildnis verboten!
Es werden immer mehr Trucks und Pick Ups auf dem Platz und es wird nervig. Wenn es morgens kalt ist, werden die Motoren gestartet, die Ruhe ist vorbei! Nirgendwo kann man jetzt mehr ungesehen in der Nase bohren, wir werden ständig beobachtet – indisch eben. Trotzdem nicht unfreundlich, wir bekommen einen Apfel spendiert und reparieren dafür an einem Armee-Truck die Spiegelhalterung…hier einen Maulschlüssel borgen, da ein Handy aufladen…wird langsam alles zur grossen Familie hier!
Die ersten Probleme treten auf, ein Ziegen- und Schaftransport macht Notschlachtungen und zu Utas Erleichterung werden die Viecher dann endlich raus gelassen und weiden am Hang.
Im Ort besuchen wir jeden Tag mit Hund Vega ihren Freund, einen älteren Kinnaur mit einem guten Souvenir Geschäft. Feine Dinge! Jeden Tag verhandele ich neu, der Alte lässt sich nicht klein kriegen! Er hat sehr schöne alte und neue Stücke aus Tibet, Kinnaur Gegend und Indien.
Sechs Tage sind nun vergangen und der Geduldsfaden einiger Fahrer reisst, irgendwie kommen auch ab und zu Infos durch, sie fahren los! Weit oben sieht man sie aber durchs Fernglas wieder stehen, bis….
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