Da wir Naturburschen nicht ein kulturelles Erbe nach dem anderen abhaken, überlegen wir uns genau, was uns da wirklich bei 40 Grad im Schatten interessiert. Zweifelsohne gehört in der alten Hauptstadt Agra der Taj Mahal dazu.
Agra selbst wurde 1500 von Sultan Lodi errichtet und unter einigen Grossmogulen mit Glanzstücken der Architektur geschmückt. Es ist ein Geschenk des Himmels, dass mit diesem kulturellen Erbe Geld gemacht werden kann, da die Inder scheinbar sonst nicht in der Lage sind, alte Dinge zu pflegen und zu erhalten. Heute ist Agra eine Industriestadt und liegt am verdreckten Yamuna Fluss. Wir kämpfen uns quer durch die Stadt zum Parkplatz am Taj Mahal vor; Hitze, Dreck und Gestank. Es ist uns unmöglich, Hund Vega hier im Expeditionsmobil mit nicht gangbarer Klimaanlage von Waeco zu lassen. Uta zieht mit Rikscha und einem hiesigen Führer los, um alles zu erkunden, ein Hotel mit Parkmöglichkeit für den Truck und mit Klimaanlage zu finden. Zum Hotel umrunden wir grossräumig die Altstadt um den Taj Mahal und setzen Vega in den wohl temperierten Raum im Tara Palace Hotel. Nur so können wir beruhigt mit der Rikscha losziehen, um uns den Hypes um den weissen Marmor anzusehen.
Jetzt wiederum sind wir froh, dass wir in der heissen Nebensaison hier sind. Wie viele Menschen stehen denn sonst erst an den drei verschiedenen Toren an den Eingängen in langen Schlangen, Mann und Frau getrennt!? Nicht nach den Tickets stehen wir an, nein an der strengen Kontrolle mit Taschen ausleeren, z.B. nicht mal das kleinste Stativ für die Kamera und auch keine Kekse dürfen mit hinein.
So, da sind wir nun: „Träne im Antlitz der Unendlichkeit“, architektonisches Meisterwerk, Indiens meist besuchtes Mogul Bauwerk, spektakuläres Mausoleum… TAJ MAHAL.
All dies für eine Frau, Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14.!!! Kindes 1631 starb. Ungefähr 20 Jahre lang wurde der weisse Marmor von 20 000 Menschen aus aller Welt bearbeitet und gestapelt. Alles ist geometrisch in Quadraten angeordnet, Gärten und Wasserläufe, die nur jetzt leer sind zur „Freude“ des Fotografierenden, da das Spiegelbild fehlt. Der Taj selbst steht erhoben und wir erklimmen mit über gezogenen Puschen die Marmorplattform, extra für Touristen verteilt, die Einheimischen gehen barfuss. Es ist heiss und der Marmor blendet. Vier Minarette stehen an den Ecken, sie sind nur Dekoration.
Mit welcher Seite die Besichtigung von aussen beginnt ist wurscht, da alle vier Seiten völlig identisch sind, verziert mit Einlegearbeiten –pietra dura- mit tausenden von Halbedelsteinen und eingemeisselten Blumen, Koranverse aus Jaspis Einlegearbeiten… wunderschön!
Um in das Innere zu gelangen, ist wieder Schlange anstehen angesagt. Unter der Zwiebelkuppel ist das Ehrenmal, die wirkliche Gruft liegt unterirdisch und ist verschlossen. Halbtransparenter Marmor kunstvoll bearbeitet und verziert mit Halbedelsteinen, welch ein Handwerk! Die Muslime treffen sich in der Moschee aus rotem Sandstein neben dem Taj.
Den Weg nach draussen wählen wir am Rand entlang durch die Gärten, zu viele Menschen sind unterwegs im Zentrum der perfekten Geometrie.
Seit 1983 ist der Taj Mahal Weltkulturerbe. Von weitem wirkt es makellos, näher betrachtet erkennt man viele gut gemeinte Reparaturen. Angst haben die Restauratoren vor dem Schwefeldioxid in Luft und Regen und es konnte veranlasst werden, die Industrialisierung im näheren Umfeld zu stoppen.
Wir sind begeistert vom Taj und schlafen unruhig in dem unbekannten Hotelzimmer ein.
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