Abenteuerreise Indien – Agra und Taj Mahal
Carlos | 11. August 2010 | 06:00

Da wir Naturburschen nicht ein kulturelles Erbe nach dem anderen abhaken, überlegen wir uns genau, was uns da wirklich bei 40 Grad im Schatten interessiert. Zweifelsohne gehört in der alten Hauptstadt Agra der Taj Mahal dazu.

Abenteuerreise Indien, Agra und Taj Mahal

Agra selbst wurde 1500 von Sultan Lodi errichtet und unter einigen Grossmogulen mit Glanzstücken der Architektur geschmückt. Es ist ein Geschenk des Himmels, dass mit diesem kulturellen Erbe Geld gemacht werden kann, da die Inder scheinbar sonst nicht in der Lage sind, alte Dinge zu pflegen und zu erhalten. Heute ist Agra eine Industriestadt und liegt am verdreckten Yamuna Fluss. Wir kämpfen uns quer durch die Stadt zum Parkplatz am Taj Mahal vor; Hitze, Dreck und Gestank. Es ist uns unmöglich, Hund Vega hier im Expeditionsmobil mit nicht gangbarer Klimaanlage von Waeco zu lassen. Uta zieht mit Rikscha und einem hiesigen Führer los, um alles zu erkunden, ein Hotel mit Parkmöglichkeit für den Truck und mit Klimaanlage zu finden. Zum Hotel umrunden wir grossräumig die Altstadt um den Taj Mahal und setzen Vega in den wohl temperierten Raum im Tara Palace Hotel. Nur so können wir beruhigt mit der Rikscha losziehen, um uns den Hypes um den weissen Marmor anzusehen.

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Jetzt wiederum sind wir froh, dass wir in der heissen Nebensaison hier sind. Wie viele Menschen stehen denn sonst erst an den drei verschiedenen Toren an den Eingängen in langen Schlangen, Mann und Frau getrennt!? Nicht nach den Tickets stehen wir an, nein an der strengen Kontrolle mit Taschen ausleeren, z.B. nicht mal das kleinste Stativ für die Kamera und auch keine Kekse dürfen mit hinein.

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So, da sind wir nun: „Träne im Antlitz der Unendlichkeit“, architektonisches Meisterwerk, Indiens meist besuchtes Mogul Bauwerk, spektakuläres Mausoleum… TAJ MAHAL.
All dies für eine Frau, Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14.!!! Kindes 1631 starb. Ungefähr 20 Jahre lang wurde der weisse Marmor von 20 000 Menschen aus aller Welt bearbeitet und gestapelt. Alles ist geometrisch in Quadraten angeordnet, Gärten und Wasserläufe, die nur jetzt leer sind zur „Freude“ des Fotografierenden, da das Spiegelbild fehlt. Der Taj selbst steht erhoben und wir erklimmen mit über gezogenen Puschen die Marmorplattform, extra für Touristen verteilt, die Einheimischen gehen barfuss. Es ist heiss und der Marmor blendet. Vier Minarette stehen an den Ecken, sie sind nur Dekoration.

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Mit welcher Seite die Besichtigung von aussen beginnt ist wurscht, da alle vier Seiten völlig identisch sind, verziert mit Einlegearbeiten –pietra dura- mit tausenden von Halbedelsteinen und eingemeisselten Blumen, Koranverse aus Jaspis Einlegearbeiten… wunderschön!
Um in das Innere zu gelangen, ist wieder Schlange anstehen angesagt. Unter der Zwiebelkuppel ist das Ehrenmal, die wirkliche Gruft liegt unterirdisch und ist verschlossen. Halbtransparenter Marmor kunstvoll bearbeitet und verziert mit Halbedelsteinen, welch ein Handwerk! Die Muslime treffen sich in der Moschee aus rotem Sandstein neben dem Taj.

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Den Weg nach draussen wählen wir am Rand entlang durch die Gärten, zu viele Menschen sind unterwegs im Zentrum der perfekten Geometrie.
Seit 1983 ist der Taj Mahal Weltkulturerbe. Von weitem wirkt es makellos, näher betrachtet erkennt man viele gut gemeinte Reparaturen. Angst haben die Restauratoren vor dem Schwefeldioxid in Luft und Regen und es konnte veranlasst werden, die Industrialisierung im näheren Umfeld zu stoppen.
Wir sind begeistert vom Taj und schlafen unruhig in dem unbekannten Hotelzimmer ein.

Abenteuerreise Indien – nach Delhi
Carlos | 10. August 2010 | 12:48

Das Angebot an weissen Häkelmützen, Burka und Moschen nimmt zu. Hier im Norden teilen sich noch Hindus und Moslems den gössten Teil an Relegion. Riesige Türme kündigen eine Ziegelfabrik nach der anderen an, die Lehmhütten werden von ungepflegten Steinhäusern abgelöst. Riesige ummauerte Areale stehen zwischen den Feldern mit Ruinen oder nix darin… ausser Müll natürlich! Delhi steht noch mit 30 Km auf den hier durchaus vorhandenen Hinweisschildern und die Vororte beginnen. Es stinkt erbärmlich, wo der Großstadtmüll abgekippt wird, neue Stadtteile entstehen mit riesigem Ausmass, wir überqueren einen völlig verdreckten, blau-schwarz schimmernden Fluss… unter diesen Umständen strebt Indien auf zu einem Wirtschaftswunder und ist eine Atommacht – na dann Prost Lotte!

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Wir brauchen ewig, um unseren Stellplatz in Delhi in der Nähe der Botschaften zu erreichen. Still sind wir geworden, ein Adrenalinstoss nach dem anderen macht einen völlig leer. Als in der Innenstadt alles ruhiger wird, sauber, Villen mit Grünanlagen und Bäume überall, atmen wir auf. Im Nehru Park beziehen wir einen betonierten Besucherparkplatz, zwischen Eiswagen und Taubenfutterstation. Jeden Tag wird Futter und Wasser gebracht. Tauben, Finken, Greifvögel, Streifenhörnchen… nehmen es gern an. Zu uns gesellt sich gleich eine junge Hündin, darf auch bei Vega mit fressen und trinken, sie mag sie wohl. Nach einem Tag liegen sie zusammen im Schatten unter dem Expeditionsmobil. Viel Energie hat hier auch keiner bei 40 Grad und Staub, weder Hund noch Mensch! Alle Erledigungen enden schweissgebadet, wenigstens die Botschaften sind klimatisiert. Jeden Abend suchen wir uns eine kulturelle Pflicht für das in seiner Historie sieben Mal entstandene Delhi aus dem Reiseführer für den nächsten Tag heraus, was im Schweiss ertrinken soll…

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So ein kühles Bier dann am Abend! Ja aber wo bekommen wir hier nur welches? Es gibt Bier- und Weinshops, die man erstmal finden muss. Uta friert Sprite in Eiskugelbeutel ein, damit das Bier schnell kühl als Alster – Radler trinkbar wird. Ein Zeichen für „zu warm“ ist eindeutig, wenn unser Kaffeeverbrauch enorm sinkt und Uta nicht mehr bereit ist, die Gasflamme zu zünden. Das Essen in Indien ist für unseren Gaumen sehr gut. Rotis oder Naan (Brot) mit Dhal (intensiv gewürzter Linsenbrei) und unterschiedlichste Gemüsemischungen, allesamt unverwechselbar indisch gewürzt, wie wir es nicht hinbekommen würden. Im Juli ist zu unserer Freude Mango Zeit und was schmeckt bei dieser Hitze besser als Obst!?

In diesem aufgekochten Zustand beschliessen unsere Hirne, in der „ Visa Wochenend-botschafts-schleife“ nach Agra zum Taj Mahal zu fahren. Sobald es möglich sein wird, wollen wir uns danach NIE WIEDER zu dieser Jahreszeit so weit südlich, im Verwaltungsbezirk Uttar Pradesh, aufhalten.

Abenteuerreise Indien – alle hatten uns gewarnt
Carlos | 3. August 2010 | 12:00

Abenteuerreise Indien, alle hatten uns gewarnt Es ist soweit und wir reihen uns ein, in die über eine Milliarde Menschen auf dem Subkontinent Indien! Sehr viele waren schon mit dem eigenen Expeditionsmobil, Reisemobil oder Wohnmobil in Indien unterwegs und einige davon haben wir getroffen, wobei der Tenor immer derselbe war: „…wartet, bis ihr in Indien seid…“. Also gespannt wie ein Flitzebogen reisen wir zur Monsunzeit im Juli von Nepal aus in Nord Indien ein.

An der Grenze fragt der Zollbeamte mir ein Loch in den Bauch, obwohl er nur das Carnet de Passage vom Expeditionsmobil abstempeln soll. Ich befürchte, es droht die erste Schmierung… aber er ist nur neugierig und es freut ihn, dass wir in Deutschland keine gesetzliche Familienplanung in Sachen Kinderzahl haben. Er wünscht uns eine gute Fahrt.
Gleich hinter der Grenze biegen wir wieder Richtung Berge ab, die letzte Nacht war zu heiss und zu laut. Eine neue Strasse ist gebaut, rechts und links Hütten, Armeegelände, alles wie in Nepal. An einem Viewpoint geniessen wir die kühle Nacht und können morgens ins Tal gucken.

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Die erste Nacht verbleiben wir verschont von den uns vorhergesagten Ärgernissen mit 100 Menschen auf unserer Eingangsleiter in Indien, als dann splitterfasernackt ein Mann auf der Strasse steht… ein Anhänger des Jainismus? Der Jainismus wurde von einem Zeitgenossen Buddhas gegründet und steht gegen das hinduistische Kastensystem und dessen Rituale. Sie kehren den Weg vor sich, um auf kein anderes Lebewesen zu treten und Mönche lehnen jegliche Besitztümer ab und verzichten oft selbst auf die Bekleidung. Oder einfach nur ein Spinner? Noch am Wundern stehe ich in der Kurve auf der Bremse und weiche einer Frau aus, die auf meiner Fahrspur liegt. Sie schläft hoffentlich nur! Hier wird so manches mitten auf der Strasse erledigt, es ist trocken, keine Schlange, alles übersichtlich auf dem Asphalt.
Die oft vom Erdrutsch beschädigte Strasse wird von Kindern ausgebessert, die Steine schleppen, die Familien hausen unter Planen am Strassenrand. Die erste Kinderarbeit Indiens für unsere Augen.

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Richtung Delhi ist die Hitze unerträglich und der Strassenverkehr noch chaotischer als in Nepal. Die Strassen sind zwar besser und breiter, nur haben dementsprechend auch mehr Verrückte darauf Platz. Unterwegs bringt uns eine Umleitungen wegen Brückenbau über Dörfer abseits der Hauptstrecke. Es gibt hier viel grössere Felder als in Nepal. Traktoren sind unterwegs, der erste Mähdrescher seit Europa begegnet uns, nur das Reispflänzchen setzen geht auch hier nur mit Handarbeit. Plantagen sehen wir wieder seit Süd-China und Düngemittel werden ausgebracht. Mitten auf dem Acker stehen umzäunte noble Villen neben Lehmhütten. Wie sich das Leben nach einer Grenze so ändern kann!
Bei der lebensgefährlichen Fahrweise auf den Strassen beschliessen wir, uns an zu schnallen! Lästig bei dieser Hitze.

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Vor einem riesen College, das aber irgendwie nicht genutzt wird, parken wir auf einen Kaffee und Pinkelpause für Hund Vega. Nachdem Uta sich mit einem Augenklimpern vom Pförtner hat erklären lassen, wo wir überhaupt sind… werden wir zu einem Tee eingeladen in seinem bescheidenen Heim. Er ist kein armer Mensch für indische Verhältnisse, Strom, Essen, Wasser… ein Fernseher in dem recht grossen Raum für fünf Personen. Ein nagelneuer, selbst gefertigter Ofen aus Lehm wird heut eingeweiht, natürlich mit einem Reisgericht! Es ist spät geworden und er lädt uns ein, doch hier über Nacht stehen zu bleiben. Wir nehmen gern dankend an und lassen uns von dem elendigen Singsang der Autohupen auf der Strasse in den Schlaf bringen.

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Abenteuerreise Nepal –was sollen wir dazu sagen
Carlos | 2. August 2010 | 07:46

Als sich Gondwanaland unter Alt Tibet schob, wurde der Himalaya aufgewölbt und das Tethys-Meer eingeengt… entstand auch die Landschaft des wunderschönen Nepal!

Abenteuerreise Nepal

Die Nepalesen haben uns drei eindrucksvolle Monate beschert. Die Zeit verging wie im Fluge in unserem Idyll um Pokhara am Phewa-See. Es ist einem selbst überlassen, welche Umgebung man sich wünscht; Großstadt mit Kultur, einfaches Dorfleben, Flachland oder 8000er, Hitze oder Wollmütze, Buddhismus oder Hinduismus. Bekanntlich krankt Nepal an Zivilisationskrankheiten, ist nicht reich und wartet ständig nur auf Hilfsaktionen ohne viel Eigeninitiative. Touristen, die als gern gesehene Einnahmequelle sehr zuvorkommend behandelt werden, lernen auch die herzliche Freundlichkeit der Menschen in Nepal kennen. Die Polizei hat Order, die Ausländer unbehelligt überall gewähren zu lassen, ausser im Parkverbot in den Städten Green with Envy

Abenteuerreise Nepal Abenteuerreise Nepal Abenteuerreise Nepal

Die abgelegenen Gebiete, wie z.B. das alte Mustang Königreich abgelegen im Norden, sind leider für uns als Selbstfahrer mit Expeditionsmobil nicht zu erreichen. Flugzeug und Trekking sind da die einzigen Möglichkeiten mangels Strassen. Für Umwelt und Kultur nicht von Schaden, wir haben es natürlich bedauert, dort nicht einfach hinfahren zu können.

In Nepal haben viele Tibeter einen neuen Raum gefunden, um sich ohne Grenzen dem Buddhismus hinzugeben. Als der Flüchtlingsstrom in den Fünfzigern Nepal erreichte, stellte die Regierung (damals noch Königreich) Land und Bau Material zur Verfügung, um den Tibetern eine Ansiedlung zu erleichtern. Heute sind sie selbstverständlicher Bestandteil Nepals machen ihre Geschäfte und schimpfen von hier aus über die Chinesen!

Abenteuerreise Nepal Abenteuerreise Nepal Abenteuerreise Nepal

Es gibt Plätze, an denen wir standen und anfingen Pläne zu schmieden. Einer davon bei Sarangkot, mit 1600 Metern Höhe ein angenehmes Klima und ein grandioser Ausblick auf die schneebedeckte Annapurna Region, den Himalaya Hauptkamm.

Bis auf die Fahrzeit auf den Strassen war es eine wunderbare Zeit für uns, auch Vega hat es wohl gefallen. Überall frisches Wasser und Schatten, Wiesen und Spaziergänge. Für Uta gab´s Käse, Kuchen und frische Milch für mich Fussball WM zwischen lauter Nepalesen in Kathmandu auf der Strasse sitzend und kaltes Bier. 

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Aber alles hat auf Reisen ein Ende, leider auch Nepal und schwitzend verlassen wir im Juli das Terai, eine Ebene im Süden, dass von Indien stark beeinflusst wird.
Hierher kann man wieder kommen!




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