Der Pashupati Tempel (World Heritage Site) am Bagmati Fluss im Westen von Kathmandu ist ein hinduistisches Heiligtum und bekannt dafür, dass auch Nicht-Hindus den Beerdigungen beiwohnen können.
Wir starten morgens beizeiten, zahlen den stolzen Eintrittsobolus von 500 Rupies (ca.5 Euro – ist hier viel Geld!) pro Person und pilgern Richtung heiligen Bagmati, der später in den Ganges fliesst, was uns stolz mitgeteilt wird. Da stehen wir nun an der grauen Brühe, die sich eine Frau in Meditation vertieft ins Gesicht wirft. Gegenüber ist der nur für Hindus zugängliche heilige Tempel. Männer mit nacktem Oberkörper sitzen am Flussufer anderen Murmelnden gegenüber. Zu jedem Todestag kommen die Söhne jahrelang hierher und durchlaufen ein Ritual, das mit der Einsetzung einer kleinen Schale aus Blättern gefüllt z.B. mit Blüten und Haaren der/s Toten und vielen Segnungen in den Fluss endet.
Einige Sadus meditieren und warten auf die wenigen Touristen, die sich in der heissen Nebensaison hierher verirren und Fotos machen wollen. Da sie sich der materiellen Welt völlig entsagt haben, verlangen sie nur einige hundert Rupies … Unser Auserwählter ist 103 Jahre alt und hat einige Meter lange Haare, den Preis handeln wir mit seinem jüngeren Begleiter arg herunter!
Die ersten in Tücher gewickelte Leichen werden gebracht und genau in Richtung des Tempels am Fluss abgelegt. Nur Männer begleiten den Toten, Frauen müssen zuhause bleiben. Hier wird der Leiche mit den Händen Wasser in den Mund geträufelt, das aus Richtung Tempel kommt. Bevor die Seele den Körper verlässt, soll die Öffnung mit dem heiligen Wasser benetzt sein. Am Fluss gibt es mehrere Plateaus für die Verbrennungen. Eine nur für die Königsfamilie, die nächste nur für Familien mit Rang und Geld, die jetzt gerade mit Brennholz bestückt ist, und einige etwas weiter ab für die Mittellosen. Etwa 20 Männer stehen an der Verbrennungsstelle des Toten – es ist ein Mann. Die Söhne sind nur mit weissen Hosen oder Tüchern bekleidet, Weiss ist hier die Farbe der Trauer. Ihre Köpfe sind geschoren, nur der heilige Punkt auf dem Hinterkopf darf nicht frei gelegt sein, es bleibt also ein kleiner Zopf. Wenn das Drama der Fall sein sollte, dass keine Söhne geboren wurden, wird der nächste männliche Verwandte wie etwa der Neffe, Cousin oder Bruder dafür verpflichtet. Der Tote hatte zwei Söhne und diese umrunden nun die Leiche, die auf das Holz gebettet wurde. Unter dem Tuch wird der Mann noch der Unterhose entledigt, da man als Nackter geboren wird, geht der Körper auch wieder nackt. Reisig wird in brennbare Paste getunkt und der ältere Sohn steckt das erste qualmende Bündel in den Mund des Toten, der Rest wird an bestimmten Teilen an den Füssen und am Oberkörper abgelegt. Nach kurzem Warten verabschiedet sich jetzt die „Männerrunde“ und zieht sich zurück. Ein Profi legt Holz auf die Leiche und zündet Reisig an, alles beginnt zu qualmen. Nach 30 Minuten hat alles Feuer gefangen und spätestens jetzt verabschieden sich die Touristen, da die Nase zum Aufbruch ruft, wie auch bei uns! Die Nepalesen sind da abgehärteter und unterhalb der Verbrennungsplätze wird in der Asche und anderen Überresten nach Goldzähnen u.ä. gewühlt. Letztendlich schwimmt alles in der Brühe den langen Weg mit der Strömung Richtung Indien und Ganges.
Zwischen Bettelnden, Behinderten, Betenden und Händlern drängen wir uns an den heiligen Kühen vorbei. Am Ausgang steht ein von Mutter Theresa gegründetes, ja wir würden Altenheim sagen. Auch wenn hier die Familie noch sehr viel Wert hat, gibt es doch Alte, die niemanden und nichts haben.
Ab heute sehen wir immer wieder die Männer mit geschorenen Köpfen und dem kleinen Zopf. Je nach Kaste (die trotz Abschaffung per Gesetz immer noch das Leben lenkt) gibt es Vorschriften, wie oft und wie lange dieses Ritual vollzogen werden muss, manchmal jahrelang und anfangs allwöchentlich.
Etwas aufgewühlt und müde schnell zurück ins Expeditionsmobil und zu Vega, es steht in der Nähe des Boudhanath (World Heritage Site).
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