Hier in Nordwesten Thailands leben sechs verschiedene Bergvölker, genannt Hilltribes, die meist als Flüchtlinge nach Thailand eingewandert sind. Auch die Hmong, die wir schon in Laos erlebt haben. Es wird viel getan, geredet um Opium und veranstaltet mit den Minoritäten, wir als Laien wissen nur, dass wir uns nicht den Reisegruppen anschliessen möchten, um uns die Menschen zum Fotografieren vorführen zu lassen.
So suchen wir mit Detailkarten ein Dorf aus, das weit vom Schuss liegt, zu weit um in einen Tag hin und her zu fahren. So hoffen wir, die Touristenströme zu umgehen. Wir wissen, es wird wohl wieder mal eine harte Off Road Etappe aber als die anfangs noch betonierte Piste derart steil bergauf geht, dass mir der Truck 20 Meter vor dem Gipfel stehen bleibt, das nun wieder ist ganz was neues.
Ich stehe extremer Steillage mit der gezogenen Handbremse und latsche auch noch fest auf die Fussbremse, es sind nur noch wenig Meter bis ich oben bin und ich will die Untersetzung des Trucks nutzen, um das auch zu schaffen. Untersetzung heißt, viel Kraft bei wenig Geschwindigkeit. Bei Allradfahrzeugen nichts ausgefallenes. Um die Untersetzung zu aktivieren, muss ich einen Hebel nach rechts drehen. Allerdings hat der Hebel zwei Stellungen, die erste trennt den Motor komplett vom Antrieb, quasi Leerlauf in allen Gängen, die zweite Stellung aktiviert dann die Untersetzung. Soweit die Theorie, in der Praxis ist mir der Hebel jedoch schon vor Jahren abgebrochen und ich habe ihn mit einem kleinen Plastikteil ersetzt, das bis dahin gute Dienste geleistet hat. Durch die Hitze ist das Plastik etwas mürbe geworden und dreht durch, so bin ich zwar optisch in der zweiten, wirklich aber in der ersten Stellung. Wie immer passiert so was zum schlechtesten Zeitpunkt.
Im zweiten Gang löse ich die Handbremse gebe Gas, der Truck schiesst rückwärts den Berg nach hinten runter, bis ich an den Hebel zur Handbremse komme. Uta hat innerhalb einer Sekunde jegliche Farbe verloren, als ich zu ihr rüber sehe schaut mich ein Geist an, kreidebleich und ohne Fähigkeit etwas über die Lippen zu bringen. Vega dagegen steht im Durchgang, schaut mich vorwurfsvoll an!
Wie erwartet geht es oben dann Offroad weiter, schlechte Piste die in der Regenzeit wohl nicht fahrbar sein dürfte. Wir hoffen nur, nicht umsonst die Strapazen auf uns zu nehmen. Nicht alle Bergvölker sind freundlich.
Am Ende der abenteuerlichen Strasse stehen wir in einem Lisu-Dorf, weil der Truck nicht weiter kommt. Die Lisu kamen vor ca.100 Jahren aus China über Burma nach Thailand. Sie bevorzugen eine Höhe von 1000 m zum Leben und Ackern, organisieren sich in grossen Sippen und sind Ahnenverehrer. Es heisst, dass gern Chinesen sich für den Opiumanbau einheiraten. Tja, da stehen wir nun, aber alle Bedenken sind schnell verflogen und einige Frauen und Kinder in ihren bunten Trachten lachen uns an. Schnell ist das Eis gebrochen, wir besichtigen das Dorf, Vega und der Truck werden begutachtet und ich bespreche mit den Frauen wie wir hier weiter kommen… tja, wohl nur den selben Weg zurück.
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