Den Mekong sehen wir nun von der laotischen Seite aber von der gewohnten rechten Fahrspur aus. Auf den ersten Blick alles etwas chaotischer, mülliger, ärmlicher. In Vientiane selbst, der Hauptstadt von Laos, ist das koloniale Frankreich allgegenwärtig. Nachdem wir mit einer Sackkarre uns Geld vom Automaten geholt haben, sind wir endlich auch mal Millionäre. Jeder!
Nach dem ersten Einkauf hat sich das gleich wieder erledigt und wir verschlingen gierig europäisch Baguette – knusprig und ohne Zucker gebacken!
Vientiane ist sehr gemütlich und multikulti Ausländer prägen das Bild. Sehr viel Verkehr und die Bergung eines umgekippten LKW ähnelt einem Volksfest. Nach dem langen, schwierigen und bürokratischen Tag beschliessen wir, raus aus der Stadt und fahren am kleinen Bruder des Pariser Triumph Bogen vorbei. Wir steuern auf einen Stausee und Nationalpark Richtung Norden zu. Mit Brückenzoll überqueren wir den Nam Lik und biegen gleich zu den schwimmenden Restaurants ab, der Parkplatz sieht tauglich aus zum Übernachten. Das erste Beerlao wird getestet und als sehr gutes Bier in die Grundnahrungsliste aufgenommen!
Gerade ist die Sonne im Fluss versunken, klopft es an der Tür. Der Bootsinhaber hat sich einen deutsch sprechenden Laoten gerufen und wir werden ausgefragt, warum, wie lange und überhaupt ist es gefährlich, an dieser strategisch wichtigen Brücke zu stehen, weil die Armee hier viel Einsatz zeigt. Unterwegs sind oft „Waffenträger“, in Natur mit Flip Flops oder auf Propagandaplakaten zu sehen. Wir sind in einem sozialistischen Einparteienstaat.
Das Gespräch endet mit einer Verabredung zum Frühstück auf den Booten mit Vanh, der dreissig Jahre in Deutschland gelebt hat und nun zurück nach Laos ist, um hier mehr Spass an der Arbeit zu finden. Das Boot ähnelt einem Blumenladen und allen Orchideenfans würden die Augen übergehen, ein Grund, der Schwerter Orchideezucht einen Gruß zu senden!
Wir brechen auf Richtung Norden und die Strassen werden schlechter, Brücken so schmal, dass sie nur einspurig befahren werden können. Wir ahnen, was uns später erwarten kann, da wir hier auf einer Hauptverkehrsstrasse sind. In den Nationalpark können wir nicht einfahren – warum? – wissen wir nicht. Uns konnte das auch keiner am Posten vermitteln, kein Nicken, kein Verneinen, keine Gebühr wurde uns gezeigt, die wir hätten zahlen sollen … Entschädigt werden wir mit einem Super Platz bei Vang Vieng direkt am Fluss.
Dieses Örtchen ist bekannt als Backpacker Auffanglager, das sehr gemütlich ist aber so langsam zur Partyzone wird. Im Babylon Internet Cafe frage ich den blonden Laoten/in, der hier kellnert ob ich mit eigenem Notebook arbeiten kann, kein Problem. Nun werde ich nach einem Passwort gefragt und gehe zu dem europäisch aussehenden Besitzer, der hinter einem Tresen sitzt. „Kannst du mir bitte das Passwort sagen“. Er stiert mich an, öffnet den Mund aber es kommt nur ein grunzender Ton, der Mund schließt sich wieder, ein weiterer Versuch, wieder nur ein Grunzen, der Kerl ist noch hacke dicht, Alkohol, Drogen, was auch immer. Noch immer stiert er mich an, nicht verstehend wie man um diese Uhrzeit so eine Frage stellen kann. Einige weiter Gestalten, die, welches Geld auch immer, routiniert in berauschende Mittel umsetzen, veranlassen uns, am nächsten Tag weiter zu fahren. Leider etwas zu spät kommen wir auf die Piste, eine glasklare Karstquelle lädt zum ausgiebigen Baden ein.
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